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Auch die Wirtschaft leidet

Auch die Wirtschaft leidet

Noch ist die konjunkturelle Stimmung gut – doch die Folgen des Corona-Virus könnten sich bald schon verstärkt auch in der Weltwirtschaft zeigen. So sollten sich Anleger verhalten.

Er ist unsichtbar, niemand hierzulande fühlt ihn – und vor allem ist er weit weg: Bis in die dritte Februarwoche war der Corona-Virus noch ein Problem am anderen Ende der Welt. Wie den normalen Verbraucher, so hat der Erreger auch Geldanleger, Börsianer oder Manager unbeeindruckt gelassen. Die Kurse stiegen, in der Wirtschaft wuchs die Zuversicht, die Kunden waren in Kauflaune. Seit Montag ist die Lage anders. Zumindest auf den zweiten Blick. „Scheinbar unbeeindruckt vom Corona-Virus hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert“, stellte Andreas Scheuerle, Volkswirt bei der Deka da fest. Das ifo-Geschäftsklima legte im Februar sogar um 0,1 Punkte zu. Doch der Experte warnte bereits vor Sorglosigkeit: „Denn die Infektion der deutschen Wirtschaft scheint schon passiert zu sein, nur ausgebrochen ist die Krankheit noch nicht.“

Denn China ist so weit eben doch nicht weg – was den Menschen nicht nur wegen den ersten Todesfällen und abgeriegelten Städten im nahen Italien klar wird. Der Virus ist angekommen. Und auch, wenn die gesundheitlichen Folgen sich hoffentlich eindämmen lassen, so sind doch die wirtschaftlichen Folgen unaufhaltsam. Die starken Kurseinbrüche am Wochenanfang zeugen schon von dieser neuen Erkenntnis.

Lieferketten-Unterbrechungen drohen

Scheuerle ist klar, warum die konjunkturelle Corona-Infektion nicht mehr zu vermeiden ist: Wegen der wochenlangen Lieferwege sind bisher die Zulieferungen nach Europa noch weitgehend unbeeinflusst. Lediglich einzelne Firmen wie Jaguar in England oder Apple in Kalifornien bemerken bereits Lieferengpässe. Doch mit dem Fortdauern der Lieferketten-Unterbrechungen – und womöglich auch Lieferunterbrechungen zu anderen Corona-infizierten Staaten – könnte die deutsche Wirtschaft wie auch viele andere globale Abnehmer leiden.

„Erste Unternehmungen mussten bereits Umsatzwarnungen für die Geschäftslage im ersten Quartal aussprechen“, sagt auch Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka. Der Markt stelle dadurch zunehmend in Zweifel, ob die bislang gelassene Reaktion der Aktienkurse gerechtfertigt war, oder ob die Effekte nicht doch zu wesentlich stärkeren Beeinträchtigungen im Unternehmenssektor führen. Dies erkläre auch die heftigen Kursreaktionen seit der letzten Februarwoche.

Die Deka-Experten definieren neben den Lieferproblemen noch zwei andere Corona-Folgen: Es könnte zu Absatzproblemen kommen, denn China sei mit einem Anteil von 7,1 Prozent an den deutschen Ausfuhren der drittwichtigste Absatzmarkt, Italien mit 5,3 Prozent der fünftwichtigste. Dazu kommen die psychologischen Auswirkungen. Trübt sich die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern ein, dann wird auch bei großen Anschaffungen auf die Bremse gedrückt. Die Pekinger Zentralbank hat darum bereits reagiert – und Milliarden in den Finanzmarkt gepumpt, um schlingernde Unternehmen weiter mit Krediten zu versorgen und die Börsen zu stützen. Auch die US-Notenbank Fed steht offenbar vor Zinssenkungen, die EZB könnte ebenfalls eingreifen.

Entscheidend wird aber nun, wann der Virus eingedämmt ist. Bisher rechnet etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) damit in den kommenden Wochen – so dass danach die Konjunktur aufatmen kann und die Lieferwege wieder funktionieren. Chinas Wirtschaftswachstum prognostiziert IWF-Chefin Kristalina Georgiewa darum nur leicht niedriger bei 5,6 Prozent statt der noch im Januar vorhergesagten 6,0 Prozent. Die Weltwirtschaft werde nur um 0,1 Prozent unter Corona leiden und bei 3,3 Prozent Zuwachs im Gesamtjahr landen.

Doch Georgiewa schränkt inzwischen auch ein: „Viele Szenarien können sich abspielen – je nachdem, wie schnell das Virus eingedämmt wird.“ Volkswirt Scheuerle gibt zudem zu bedenken, dass auch ohne Corona-Folgen „in den vergangenen Monaten die Stimmung in der Bauwirtschaft und im Einzelhandel spürbar gelitten hat“. Beide für Deutschland so wichtige Binnenbranchen befänden sich inzwischen im Abschwungbereich. Dazu belasten der Umbau der Automobilindustrie, drohende Handelskonflikte mit den USA und der immer noch mögliche harte Brexit. Die nächsten Wochen werden darum auch an den Börsen noch von vielen Unwägbarkeiten und dementsprechenden Reaktionen geprägt sein. „Es ist mit erhöhten Kursschwankungen an den Aktienmärkten in Europa, den USA und in den Schwellenländern zu rechnen“, analysiert Schallmayer.

Doch gerade langfristig orientierte und sicherheitsbewusste Anleger sollten jetzt nicht in Corona-Panik verfallen, so Schallmayer: „Die Aktienmärkte werden nach einer Phase der Verunsicherung und Richtungssuche sehr schnell auf die allgemeinen Rahmenbedingungen schauen – und diese sind, den temporären Corona-Effekt einmal ausgeblendet, weiter konstruktiv für die Aktienmärkte.“ Je längerfristig investiert werde, umso unbedeutender seien auch starke Schwankungen der Börsen. Und wer beispielsweise über Sparpläne kontinuierlich Fondsanteile nachkauft, mildert Kursschwächen deutlich ab, denn so kauft er günstiger.

Schallmayer warnt deshalb davor, das regelmäßige Ansparen aufgrund der kurzfristigen unsicherer gewordenen Lage auszusetzen: „Im Gegenteil: Bei Kurskorrekturen, die ihren Ursprung in temporären stimmungsbelastenden Faktoren haben, empfiehlt es sich antizyklisch zu agieren – und jetzt sogar etwas aktiver in den Aktienmarkt zu investieren.“

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